Die Zukunft des Alters

Die „Best Ager“ zwischen Illusion und Wirklichkeit

Die Zeiten, in denen die Parole „mit 50 gehört man zum alten Eisen“ propagiert wurde, sind passé. In einer älter werdenden Gesellschaft erfahren die „Alten“ einen Bedeutungsgewinn – insbesondere bei der verantwortungsvollen Mitgestaltung einer zukunftsfähigen Gemeinschaft. Der demografische Wandel lässt den Generationen über 50 Jahren eine bedeutsame Rolle zukommen. Dabei gibt es die „Alten“ schon lange nicht mehr. Ein 50-Jähriger und ein 65-Jähriger oder ein 65-Jähriger und ein 80-Jähriger haben ebenso viel bzw. wenig gemeinsam wie ein 10-Jähriger und ein 25-Jähriger oder ein 25-Jähriger und ein 40-Jähriger. Der Altersbegriff muss neu definiert werden. Die Unterteilung in Jungsenioren (50-64 Jahre), Ruheständler (65-79 Jahre) und Hochaltrige (über 80 Jahre) bietet sich an, doch auch hier lassen sich große Unterschiede erkennen.

Was bewegt diese Generationen? Die Studien der Stiftung für Zukunftsfragen zeigen: Auch im Alter gibt es noch Träume – diese sind jedoch nicht materieller Natur, sondern betreffen vorrangig die Lebensqualität. „Geistig fit bleiben“, „Bindungen im Familien- und Freundeskreis erhalten“, „im Alter nicht allein sein“, oder „aktiv und unternehmungslustig sein“ sind Dinge, die sich viele für ihre Zukunft wünschen. Soziale Kontakte pflegen, unabhängig sein und natürlich auch die Absicherung vor der Altersarmut sind primäre Anliegen der älteren Generationen unserer Gesellschaft.  

Grundsätzlich sind sinnstiftende, tagesstrukturierende Aufgaben gefragt. Gerade in der Freizeit zeigen sich Ruheständler im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich aktiver. Von regenerativen Beschäftigungen wie sich in Ruhe pflegen, Mittagschlaf halten oder seinen Gedanken nachgehen bis hin zu zahlreichen aktiven Tätigkeiten: Sie besuchen zum Beispiel öfter Sportevents und gehen häufiger spazieren oder schwimmen. Sie engagieren sich häufiger ehrenamtlich und gehen ihren Hobbys aktiver nach. Zudem sind sie überdurchschnittlich oft zu Gast in den deutschen Urlaubsregionen, von den Küsten bis in die Alpen. Sie unternehmen mehr Ausflüge in die nähere Umgebung und gehen regelmäßiger Shoppen, ins Restaurant oder die Kirche. Auch pflegen sie mehr soziale Kontakte, indem sie unter anderem mehr Einladungen aussprechen und annehmen, sich öfter mit den Nachbarn treffen und ihnen helfen oder sich mehr Zeit für die Verwandtschaft nehmen.

Selbst wenn die neuen Medien von den älteren Generationen (noch) in vergleichsweise geringem Umfang genutzt werden, so spiegelt der bemerkenswert hohe Zeitungskonsum den Wissensdurst und den Wunsch wider, auf dem Laufenden zu bleiben. Zudem gehört Zeitung lesen zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Bürger und die treusten Zeitungsleser befinden sich erwartungsgemäß unter den Jungsenioren und Ruheständlern. 

Die dennoch bestehende Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Lebensgestaltung kann teilweise durch eine verbesserte Zielgruppenansprache überwunden werden. Dadurch würde ebenfalls das Verantwortungsbewusstsein füreinander, die Sensibilität im Umgang miteinander und die Rückbesinnung auf einst bestehende Werte im Sinne eines Generationenvertrages gefördert werden. Das große (soziale) Potenzial, dass die ältere Generation aufweist, ist weder von den Marketingabteilungen der Industrie, noch von Seiten der Politik als Koordinationsstelle hinreichend berücksichtigt worden. Eine gezielte Förderung dieses Sozialkapitals und die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen müssen also im zukünftigen Fokus des jeweiligen Handelns stehen.