Die Zukunft der Erlebniswelten

Zwischen Spaß, Eventisierung und Edutainment

„Nicht wer am ältesten wird, hat am längsten gelebt, sondern wer am stärksten erlebt hat. Mancher wird mit 100 Jahren begraben, der bei seiner Geburt gestorben war“. Dieses 150 Jahre alte Zitat von Jean-Jacques Rousseau ist in der Gegenwart aktueller denn je. Denn sucht man nach einem gemeinsamen Nenner für die Vielfalt der modernen Freizeitangebote und -aktivitäten, findet man diesen im Begriff Erlebnis. Der Mensch von heute will in seiner Freizeit alles: Erholung und Aktivität, Kultur und Natur, Inszenierungen und Natürlichkeit, Ruhe und Geselligkeit, Exotik und Komfort, sowie die vielfältigsten Konsummöglichkeiten. Vor allem aber möchte er etwas erleben, mit dem er sich identifizieren kann und von dem er dann frei nach dem Motto „wenn ich dir erzähle, was ich erlebt habe“, berichten kann.

Am ehesten wird diese Wunschvorstellung in den zahlreichen künstlichen Erlebniswelten erfüllt, die um die Gunst der Besucher buhlen. Egal ob Themen-, Luna-, Kinderspiel-, Tivoli-, Wasser-, Safari-, Brand-, Erlebnis- oder Freizeitparks, sie alle besitzen für viele Deutsche einen hohen Stellenwert in der Freizeit. Viele Bundesbürger sehen in den künstlichen Freizeit- und Erlebniswelten „ein echtes Vergnügen mit Familie und Freunden“ und sind der Meinung, dass Besuche dieser ihr Geld wert sind. Eine besondere Bedeutung erfährt aber auch die Ablenkung vom Alltag. Die Grenzen dieser Flucht aus dem Alltag sind den Menschen dabei jedoch bewusst – die Anforderung der Besucher an die künstlichen Freizeit- und Erlebniswelten lautet entsprechend: „Entführt mich in eine Traumwelt, aber bringt mich zum Abendbrot wieder nach Hause“.

Für die Zukunft lassen sich verschiedene Entwicklungen vorhersagen: So sind bei zahlreichen Fahrgeschäften die körperlichen Grenzen der Belastbarkeit schon heute erreicht. Daher heißt es in Zukunft nicht mehr „höher, schneller und weiter“, sondern vielmehr „mehr Atmosphäre, mehr Gestaltung, mehr Geselligkeit“. 

Aber auch der Bildung kommt in Zukunft eine verstärkte Bedeutung zu. Egal ob in Zoos oder Themenparks, in Science Centern oder Museen, in Brandparks oder botanischen Gärten, die Besucher wollen in der Anlage nicht nur unterhalten werden, sondern beiläufig auch etwas lernen.

Die demografische Entwicklung wird zudem zu einem zunehmenden Bedarf an passiven Angeboten führen. In diesem Zusammenhang werden auch die Geselligkeit und der Austausch der Besucher untereinander eine Renaissance erleben.

Im Zuge des „Trends zum Event“ rücken daneben viele traditionelle (Hoch-) Kulturveranstaltungen in Richtung der „Erlebniswelten“ und begeben sich somit in das Spannungsfeld zwischen authentischem Kern und künstlicher Inszenierung.